Riding for Love – Das Herz im Sattel

Leseprobe: Prolog
Seine Nüstern blähen sich und er tänzelt nervös. Die Unruhe und das Gewusel der anderen Pferde um uns herum überträgt sich auf ihn. Er weiß, dass es gleich los geht. Dreht sich mehrmals im Kreis. Seine Beine stehen nicht still. Er kann es kaum abwarten. Ich nehme die Zügel enger und versuche, ihn auf der Stelle zu halten. Wir drehen noch ein paar Runden im Schritt auf dem braunen Sand, bevor wir an der Reihe sind und es in die enge Startbox geht. Für Warrior King ist das kein Problem. Er vertraut mir. Wir kennen uns, ich bin ihn schon öfter geritten. Meist lernt man als Jockey das Pferd aber erst kurz vor dem Rennen kennen. Das Tier neben mir will nicht in die Box, sondern weicht rückwärts aus. Es ist immer ein heikler Moment, bis alle Vierbeiner drin sind. Die Enge liegt Pferden nicht, sie sind Fluchttiere, brauchen die Weite. Der letzte Riegel schließt sich. Ich flüstere Warrior King beruhigende Worte ins Ohr, denn ich glaube daran, dass er mich versteht. Wenn ich das nicht glauben würde, könnte ich diesen Beruf nicht ausüben. Ich sehe Pferde nicht als meine Arbeitsgeräte, wie es viele Jockeys tun, sondern als gleichwertige Partner.
Ich beuge mich nach vorne und warte auf das Signal. Wenn es ertönt, werde ich meinen Po aus dem Sattel heben, um so wenig wie möglich Gewicht auf dem Pferd abzulegen. Gemeinsam werden wir aus der Box abspringen. Nur meine Fußspitzen hängen in den Steigbügeln, die soweit oben sind, dass ich eine Hocke einnehme. Mein Herz klopft wie wild. Gleich öffnet sich die Startbox und das Rennen beginnt. Dann wird das Adrenalin durch meine Adern schießen und dafür sorgen, dass alles um mich herum in den Hintergrund tritt. Dann zählen nur das Pferd, ich und das Ziel vor mir. Dann zählt nur eins: gewinnen.
Die Startboxen schnellen auf und 600 Kilogramm Vollblut schießen aus der Box heraus. Innerhalb einer Millisekunde bin ich hochkonzentriert. Wäre ich das nicht, würde ich die Kontrolle verlieren. Mit 60 Stundenkilometern fliege ich über den Boden der Rennbahn. Ich fühle mich lebendig. Für diese Momente lebe ich. Für diesen kurzen Rausch riskiere ich mein Leben.
