Laptop mit Googleseite offen

Recherche – Zwischen Realität und künstlerischer Freiheit

Da ich bisher nur Fantasy geschrieben habe, stellte sich bisher nie die Frage nach einer genauen Recherche bezüglich bestimmter Dinge. Ich habe mir alles ausgedacht. Okay, ich habe vielleicht mal was gegoogelt wie, ob der Papierkorb in Flammen aufgeht, wenn man ein Streichholz hineinwirft. Aber ich habe nicht tagelang recherchiert, Bücher und Google gewälzt, keine Experten ausgefragt oder so etwas in der Art.
Aber als ich meinem New Adult Roman schrieb, hatte ich plötzlich tausend Fragen.

In meiner Geschichte „Im Regen so nah“ brechen meine Protagonisten, Vivien und Cayden, in eine Jagdhütte ein. Sie werden nach einer gemeinsam verbrachten Nacht von der Polizei erwischt und aufs Revier geführt.

Ich habe keine Ahnung davon, wie es ist verhaftet zu werden. Wie es auf einer Polizeiwache aussieht usw. Man sieht es in Fernsehserien. Englische und Deutsche Vorbilder vermischen sich da. Aber wie läuft das genau in Wirklichkeit ab?

Wie gut, dass ich einen Schwager habe, der bei der Polizei arbeitet! Den habe ich dann gleich mal Löcher in den Bauch gefragt. Angefangen von wie werden die Personalien festgestellt? Gibt es da wirklich im Auto PCs zur Überprüfung? Bis hin zu: Wann brauchen die einen Anwalt? Ist es Einbruch oder Hausfriedensbruch? Spielt es eine Rolle, wer das Schloss aufgebrochen hat? Er hat sich bei meinen Fragen halb kaputt gelacht, weil er sie so witzig fand.

Irgendwann meinte er dann: Glaubst du etwa, beim Tatort läuft auch immer alles so ab, wie in Wirklichkeit? Gute Frage. Ja, das dachte ich eigentlich! Aber das hat mich dann ganz schön zum Nachdenken gebracht.

Realität und Vorstellung

Und dann ist ja immer noch die große Frage: Es mag zwar in Wirklichkeit so ablaufen, aber als ich das Manuskript von meiner Lektorin zurück bekommen habe, habe ich dann ganz schnell gemerkt, dass man sich gemein hin etwas anderes vorstellt. Sie hatte zum Teil die gleichen Fragen, wie ich. Interessant, was uns so prägt. Und halte ich mich an die Realität oder an die Vorstellung derselben? Immerhin schreibe ich immer noch Fiction. Gerade die Sache mit dem Mitführen des Personalausweises zum Beispiel. Es herrscht in Deutschland keine Pflicht einen Ausweis mit sich zu führen, man muss nur einen besitzen.
Was ich nie gedacht hätte: Trotz des Einbruchs, hätten meine Protagonistin gehen können: Wenn die Personalien feststehen, kann man gehen, wenn man einen festen Wohnsitz in Deutschland hat. Wenn der Tatbestand eindeutig ist und nicht akut Fluchtgefahr besteht, nimmt die Polizei niemanden länger fest, als es sein muss. Es sei denn, es geht um schwerwiegende Straftaten.
Neben dem Einbruch, haben sich meine Protas noch Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch zu Schulden kommen lassen. Ich hatte mir so schön ausgemalt, dass die beiden dann in orangenen Anzügen Sozialstunden ableisten müssen wegen des Einbruchs. Aber gibts das überhaupt so in Deutschland? Fragen über Fragen.

Schließlich habe ich mich so nah wie möglich an die Realität gehalten. Es gibt mittlerweile Computer in Polizeiwagen und weil meine Protagonistin nichts dabei hat, womit man ihre Identität feststellen kann, muss sie mit auf die Wache. Ihr Vater hätte nicht unbedingt kommen müssen, um ihr ihren Ausweis zu bringen, aber dann hätte ich mir die Chance entgehen lassen, dass er ihr eine Szene macht. Und ganz ehrlich, ein bisschen künstlerische Freiheit ist doch wohl erlaubt. Da halte ich es, wie Andreas Eschbach:

Alles Unsinn. Gute Recherche ist ein Qualitätskriterium für einen Journalisten, aber nicht für einen Schriftsteller. Bei einem Roman die Recherche zu loben ist ungefähr so, als lobe man die Rechtschreibung. Beim Schreiben eines Romans ist Recherche einfach eine mehr oder weniger lästige Notwendigkeit.

Andreas Eschbach

Für meinen nächsten Roman werde ich wieder recherchieren, diesmal zu Los Angeles und den Gegebenheiten vor Ort. Das ist noch mal etwas anderes, weil ich denke, dass viel mehr meiner Leser schon mal in L. A. waren, als verhaftet worden zu sein. Und viele da genauer hinschauen werden und bemerken werden, wenn ich etwas nicht sauber recherchiert habe.

Bild von 377053 auf Pixabay.

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